User Journey Mapping: Anleitung in 6 Schritten + B2B-Beispiel (2026)

Jede Abteilung hat eine andere Vorstellung davon, wo es in Ihrer User Journey hakt. Was fehlt? Ein gemeinsames Bild der gesamten Reise. Genau hier setzt eine User Journey Map an.

Portrait von Jan Auer

Jan Auer

Senior UX Writer

Inhaltsverzeichnis

Dieser Guide liefert zwei Dinge: eine vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung und ein durchgängiges, illustratives B2B-Beispiel (ein fiktiver Marktplatz), das Sie direkt auf Ihr eigenes Produkt übertragen können.

Was ist eine User Journey Map?

Eine User Journey Map ist eine visuelle Darstellung der Erfahrung, die ein Nutzer beim Erreichen eines konkreten Ziels mit einem Produkt oder Service durchläuft. Entlang eines definierten Szenarios dokumentiert sie Phasen, Aktionen, Touchpoints, Emotionen und Pain Points, um die Momente zu finden, in denen das Nutzungserlebnis gezielt verbessert werden kann.

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Wichtig zur Einordnung: Eine User Journey Map nimmt die Produkt- und UX-Perspektive ein. Anstelle des gesamten Kundenzyklus beschreibt fokussiert sie sich auf eine konkrete Interaktion eines Nutzers. Die Customer Journey (Marketingsicht, von Awareness bis Loyalität) ist ein verwandtes, aber anderes Werkzeug.

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Die fĂĽnf Kernelemente einer User Journey Map

Jede Map besteht aus denselben Grundbausteinen. Die folgende Tabelle zeigt am Beispiel eines fiktiven B2B-Marktplatzes, was dokumentiert wird.

Wann lohnt sich eine Journey Map? Drei typische Situationen:

1. Sie entwickeln ein neues Produkt und wollen die Nutzererfahrung von Anfang an durchdenken

2. Sie haben ein bestehendes Produkt, in dem Nutzer an bestimmten Stellen abspringen und wollen diese Friction-Punkte identifizieren.

3. Ihr Team (Produkt, Design, Entwicklung) braucht ein gemeinsames Verständnis der Nutzerperspektive, um Prioritäten setzen zu können.

Die 6 Schritte: So erstellen Sie eine User Journey Map

Die Reihenfolge der Schritte ist kein Zufall. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf: Ohne klaren Scope entsteht keine fokussierte Map. Ohne Persona wird sie beliebig. Ohne dokumentierte Touchpoints fehlt die Grundlage fĂĽr die Emotionskurve. Ăśberspringen Sie keinen Schritt, auch wenn es natĂĽrlich verlockend ist, direkt bei den Pain Points einzusteigen.

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Das folgende Beispiel zieht sich durch alle sechs Schritte: ein fiktiver B2B-Marktplatz, der Dienstleister und Einkäufer zusammenbringt.

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Schritt 1: Scope definieren

Bevor Sie ein Post-it schreiben, brauchen Sie Klarheit über eine Frage: Welches spezifische Szenario soll gemappt werden? Die „gesamte Nutzererfahrung" wäre viel zu viel. Konzentrieren Sie sich auf eine Aufgabe, eine Nutzergruppe, ein Ziel.

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Am Beispiel: Der Scope für den B2B-Marktplatz lautet: „Erstmalige Angebotsanfrage eines Einkäufers auf der Plattform, von der Suche bis zur Anbieterauswahl."

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Formulieren Sie Ihr Scope-Statement in einem Satz nach diesem Muster:

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[Persona] will [Ziel] erreichen, indem sie/er [Produkt/Kanal] nutzt.

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Für unser Beispiel: „Thomas (Einkaufsleiter) will einen passenden Dienstleister finden, indem er die Marktplatz-Plattform nutzt." Dieser Satz wird zum Nordstern für alles, was folgt.

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Schritt 2: Persona auswählen

Verwenden Sie eine bestehende Persona aus Ihrem UX-Research. Behandeln Sie nur eine Persona pro Journey Map pro Persona, denn mehrere Personas in einer Map verwässern die Aussagekraft. Falls Sie noch keine Personas haben, ist das der erste Schritt noch vor dem Mapping.

Am Beispiel: Unsere Persona ist Thomas, 47, Einkaufsleiter im Mittelstand. Wenig Zeit, hohes Sicherheitsbedürfnis bei der Anbieterauswahl, skeptisch gegenüber neuen Plattformen, weil er sich persönlich für Fehlentscheidungen verantworten muss.

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Schritt 3: Szenario und Phasen festlegen

Das Szenario beschreibt den konkreten Kontext: Wann, wo, unter welchen Umständen findet die Aufgabe statt? Die Phasen sind die übergeordneten Abschnitte der Reise. Eine feste Anzahl Phasen gibt es nicht, typisch sind jedoch vier bis sieben.

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Am Beispiel: Thomas hat den Auftrag, einen externen Dienstleister fĂĽr ein internes Projekt zu finden. Seine Chefin erwartet bis Freitag eine Shortlist. Die Phasen:

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  1. Bedarf erkennen
  2. Plattform entdecken
  3. Suchen & Filtern
  4. Angebote vergleichen
  5. Anbieter kontaktieren
  6. Entscheidung treffen

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Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von Phasen (SChritt 3) und Touchpoints (Schritt 4). Phasen sind übergeordnet (z. B. „Suchen & Filtern"). Touchpoints sind die konkreten Interaktionspunkte innerhalb einer Phase (z. B. Suchfeld, Filterpanel, Ergebnisliste).

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Schritt 4: Touchpoints und Kanäle erfassen

Listen Sie jetzt alle Kontaktpunkte des Nutzers mit dem Produkt je Phase auf. Denken Sie ĂĽber den Bildschirm hinaus: digitale Touchpoints (Website, App, E-Mail), analoge (Telefon, Messe, Print), indirekte (Bewertungen, Empfehlungen von Kollegen).

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Am Beispiel:

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Schritt 5: Emotionen und Pain Points dokumentieren

Jetzt wird die Map lebendig. Dokumentieren Sie den emotionalen Verlauf der Reise:

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Wo fĂĽhlt sich der Nutzer sicher? Wo unsicher, wo frustriert?

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Die Basis dafĂĽr sind Research-Daten: Interviews, Support-Tickets, Session Recordings, Umfragen. Keine Annahmen ohne Datengrundlage.

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Als Beispiel hier der emotionale Verlauf von Thomas:

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  • Bedarf erkennen: Neutral, leichter Zeitdruck – „Muss bis Freitag liefern."
  • Plattform entdecken: Vorsichtig optimistisch – die Empfehlung des Kollegen schafft Grundvertrauen.
  • Suchen & Filtern: Frustration steigt. Die Filterkategorien sprechen nicht seine Fachsprache. Nach drei Minuten bricht Thomas den Filtervorgang ab, weil zu viele irrelevante Treffer erscheinen.
  • Angebote vergleichen: Unsicherheit. Die Anbieterprofile sind unterschiedlich strukturiert, ein direkter Vergleich ist schwer möglich.
  • Anbieter kontaktieren: Erleichterung nach dem ersten erfolgreichen Kontakt – ein Anbieter antwortet innerhalb von zwei Stunden.
  • Entscheidung treffen: Restrisiko. Thomas fehlt eine standardisierte Vergleichsansicht, um seine Shortlist gegenĂĽber der Chefin zu begrĂĽnden.

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Formulieren Sie Pain Points so konkret wie möglich. „Nutzer ist frustriert" hilft niemandem. „Thomas bricht den Filtervorgang nach 3 Minuten ab, weil die Kategoriebegriffe nicht seiner Fachsprache entsprechen" – das können Sie bearbeiten.

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Schritt 6: Chancen ableiten

Aus jedem Pain Point wird eine „Wie könnten wir…"-Frage. Keine fertigen Lösungen – die Map liefert die richtigen Fragen, das Team entwickelt die Antworten.

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Am Beispiel:

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  • „Wie könnten wir die Filterbegriffe an die Fachsprache der Einkäufer anpassen?"
  • „Wie könnten wir einen strukturierten Angebotsvergleich ermöglichen, den Thomas direkt exportieren kann?"
  • „Wie könnten wir die Antwortzeit von Anbietern als Qualitätssignal sichtbar machen?"

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Jede dieser Fragen wird zum Backlog-Eintrag, zum Input für einen Design Sprint oder zum Fokus für die nächste Research-Runde. Die Map ist kein Dokument für die Ablage. Sie führt zu Entscheidungen.

Die User Journey Map auf einen Blick: Bausteine, Tools und Formate

FĂĽr User Journey Mapping brauchen Sie kein spezialisiertes Tool. Entscheidend ist, dass das Team gemeinsam an der Map arbeiten kann.

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Hier eine kompakte Orientierung:

Eine Journey Map kann eine DIN-A3-Seite sein oder ein interaktives Miro-Board mit verlinkten Research-Daten. Format folgt Zweck. FĂĽr den Anfang reicht eine einfache Tabellenstruktur.

Ihre Map-Struktur zum Nachbauen

Sie brauchen für den Start keine fertige Vorlage, denn die Struktur ist bewusst einfach. Legen Sie in Ihrem Tool oder auf einem Whiteboard die fünf Kernelemente als Zeilen an und das Scope-Statement als Kopfzeile. Touchpoints und Kanäle können Sie für mehr Übersicht in zwei getrennte Zeilen aufteilen:

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  • Phasen: die ĂĽbergeordneten Abschnitte der Reise (das werden Ihre Spalten)
  • Aktionen: was der Nutzer je Phase konkret tut
  • Touchpoints & Kanäle: die Kontaktpunkte mit dem Produkt und wo der Kontakt stattfindet (digital, analog, indirekt)
  • Emotionen & Gedanken: der innere Monolog je Phase
  • Pain Points & Chancen: Hindernisse und die abgeleiteten „Wie könnten wir…"-Fragen

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Die Spalten sind die Phasen aus Schritt 3. Mehr braucht die erste Version nicht.

Hypothetisch vs. research-basiert: Was eine User Journey Map tatsächlich verändert

Das folgende Szenario ist illustrativ. Anhand des iktiven Marktplatzes zeigt es, warum die Datengrundlage ĂĽber den Wert einer Map entscheidet.

Stellen Sie sich vor, ein Produktteam mappt die Journey des Einkäufers zunächst hypothetisch, allein auf Basis eigener Annahmen. Das Ergebnis sähe vermutlich überzeugend aus: Alle Phasen sauber aufgereiht, die Pain Points plausibel.

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Jetzt führt dasselbe Team fünf Interviews mit echten Einkäufern. Die research-basierte Map würde wahrscheinlich eine andere Geschichte erzählen. Der vermutete Hauptschmerzpunkt (zu wenige Anbieter) erweist sich als irrelevant. Der tatsächliche Hauptschmerzpunkt? Die Filterbegriffe passen nicht zur Fachsprache der Einkäufer, was der App Vertrauen entzieht. In der hypothetischen Map taucht das gar nicht auf.

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Woran erkennen Sie den Unterschied? Eine hypothetische Map enthält Formulierungen wie „Nutzer könnte frustriert sein". Eine research-basierte Map enthält Zitate und beobachtbares Verhalten: „Thomas brach nach 3 Minuten ab." Die zweite führt zu konkreten Design-Entscheidungen, die erste eher zu langen Diskussionen.

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Die Konsequenz im Szenario: Das Team würde die Überarbeitung der Filterkategorien priorisieren und eine optimierte Vergleichsansicht entwickeln. Das sind zwei Features, die ohne die Map nicht auf der Roadmap gelandet wären.

Jetzt mit der ersten Map starten

Sie wissen jetzt, wie Sie eine User Journey Map erstellen. Warum planen Sie es nicht direkt für Ihr nächstes Feature und sammeln Sie erste Erfahrungen mit der Methode?

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Drei konkrete nächste Schritte:

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  1. Scope in einem Satz aufschreiben: Wer will was erreichen, mit welchem Produkt?
  2. Map-Struktur anlegen: die Zeilen aus dem Abschnitt oben. In Miro, FigJam oder als einfache Tabelle, je nachdem wo Ihr Team arbeitet.
  3. Team einladen: 90 Minuten blocken, Persona und vorhandene Research-Daten mitbringen, gemeinsam die Map befĂĽllen.

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